Beuget die Knie!

13. September 1990

 

Mit dem Blick auf die Haltung Mariens bei ihren Erscheinungen in Lourdes und Fatima habe ich am vergangenen Dreizehnten Ÿber Sinn und Bedeutung des HŠndefaltens gesprochen, weil mir vorkommt, dass zum richtigen Beten auch die rechte Šu§ere Haltung dazugehšrt.

Heute mšchte ich wieder einmal Ÿber das Knien sprechen. Bei ihren Erscheinungen in Lourdes und Fatima ist die seligste Jungfrau Maria nie gekniet, sondern in ihrer erhabenen Lichtgestalt vor den Seherkindern gestanden mit ihren schšn gefalteten HŠnden. Aber Bernadette in Lourdes und Lucia, Jacinta und Francisco in Fatima knieten unwillkŸrlich und spontan vor ihr nieder, weil diese jungen Menschen mit unverdorbenem GespŸr erahnten, dass man vor etwas Ÿbermenschlich und geheimnisvoll Gro§em sich seiner Kleinheit bewusst wird und darum niederkniet.

Es ist so vielsagend, was der bedeutende religišse Schriftsteller Romano Guardini in seinem kleinen, kostbaren Buch ãVon heiligen ZeichenÒ Ÿber das Knien geschrieben hat:

ãWas tut einer wohl, wenn er hochmŸtig wird? Dann reckt er sich, hebt Kopf und Schultern und seine ganze Gestalt. Alles an ihm spricht dann: ãIch bin grš§er als du! Ich bin mehr als du!Ò Ist aber jemand demŸtigen Sinnes, fŸhlt er sich klein, dann neigt er den Kopf, dann senkt sich seine Gestalt: Er ãerniedrigt sichÒ und zwar umso tiefer, je grš§er der ist, der vor ihm steht und je weniger er selbst in seinen eigenen Augen gilt. – Wo aber spŸren wir deutlicher, wie wenig wir sind, als wenn wir vor Gott stehen?! Der gro§e Gott, der gestern war wie heute und nach hundert und tausend Jahren! Der heilige Gott, rein, gerecht und von unendlicher Hoheit. Wie ist er doch gro§ ... und ich so klein! So klein, dass ich mich mit ihm Ÿberhaupt nicht vergleichen kann; dass ich ein Garnichts vor ihm bin!

Da kommt es einem ganz von selbst, dass man vor Gott nicht stolz dastehen darf. Man wird klein, man mšchte seine Gestalt niedriger machen, damit sie nicht so anma§end dasteht – und siehe da, schon ist die HŠlfte ihrer Hšhe geopfert: Der Mensch kniet.

Und ist es einem noch nicht genug, so mag der Mensch sich zum Knien auch noch beugen: Und die gesenkte Gestalt sagt nun: ãDu bist der gro§e Gott, ich aber bin ein Nichts. ã

Wenn du die Knie beugst, lass es kein hastiges, leeres GeschŠft sein! Gib dem Knien eine Seele! Die Seele des Knien aber ist,, dass auch inwendig das Herz sich in tiefer Ehrfurcht vor Gott neige. Wenn du in die Kirche kommst oder aus der Kirche wieder hinausgehst oder am Altar, am Tabernakel mit dem Allerheiligsten vorŸbergehst, dann knie nieder, tief, langsam und dein ganzes Herz mit; und dabei soll dein Herz sprechen: Mein Herr und mein Gott! Da ist dann Demut und ist Wahrheit; und jedes Mal wird es deiner Seele gut tun.Ò

Bis in die jŸngste Vergangenheit wer es im katholischen Raum nicht blo§ Ÿblich, sondern weithin sogar Vorschrift, an der sich nur laue, abgestandene Katholiken herumdrŸckten: Beim Betreten einer Kirche, in der das Allerheiligste aufbewahrt wird, begrŸ§te man durch eine Kniebeuge Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes in demŸtiger Anbetung. Und schon den Kindern in der 1. Klasse brachten wir im Religionsunterricht bei, dass man beim Betreten einer Kirche eine Kniebeuge macht und dabei betet: ãJesus, ich grŸ§e dich, du aber segne mich!Ò Bei bestimmten Teilen des Gottesdienstes pflegte man zu knien, mindestens wŠhrend der hl. Wandlung, wŠhrend des Kommunionempfangs und wŠhrend des Schlusssegens des Priesters. Und mit einer Kniebeuge verlie§ man dann nach entsprechender Danksagung die Kirche wieder.

Der bedeutende Liturgik-Professor Balthasar Fischer hat auf die Frage: ãWarum das Knien zum Gottesdienst gehšrt?Ò die Antwort gegeben ãDas Knien ist kšrperlicher Ausdruck einer unerlŠsslichen Haltung allen Betens, nŠmlich der Demut! Was die Seele bei allem Beten tun muss, in welcher Kšrperhaltung es auch immer geschehen mag; das tut beim knienden Beten auch unser Leib: er macht sich klein und sagt dabei gleichsam: ãO Gott, ich wei§, ich bin ein Nichts vor dir, ich bin ein armer SŸnder, erbarme dich meiner!Ò Was der Leib da spricht, und was die Seele geheimnisvoll vom Leib her in Schwingung versetzt, ihm nachspricht oder doch nachsprechen sollte, das ist der Uranfang allen Betens und allen Gottesdienstes. Das hat der Heiland gemeint, als er uns den Zšllner und sein demŸtiges Gebet als nachahmenswertes Muster vor Augen stellte: ãO Gott, sei mir armen SŸnder gnŠdig und barmherzig!Ò  Nie sollten wir uns unserer SŸndigkeit und UnwŸrdigkeit aber deutlicher bewusst werden als dann, wenn der Herr ãleibhaftigÒ im heiligsten Sakrament auf uns zukommt: Hei§t es nicht schon im Evangelium von den Aposteln, von Petrus etwa oder von Thomas, dass sie in solchen Stunden vor dem Herrn niederfielen und in die Knie sanken? Denken wir an den wunderbaren Fischfang  nach einer Nacht, in der sich die Apostel beim Fischen všllig umsonst abgemŸht hatten. Da kam am Morgen Jesus zu ihnen und befahl ihnen, das Netz nochmals auszuwerfen. ãAuf dein Wort hin, MeisterÒ, tun wir es noch einmal. Und der Gehorsam gegenŸber dem Herrn lohnte sich wortwšrtlich wunderbar. Wunderbarer Fischfang! Dieser aber hat den Apostel Petrus zu tiefst ergriffen und vor dem Herrn in die Knie gezwungen mit dem demŸtigen Bekenntnis: ãHerr, geh weg von mir, denn ich bin ein sŸndiger Mensch!Ò Und wie ist es dem Zweifler Thomas ergangen, als er absolut an die Auferstehung des gekreuzigten Meisters nicht glauben wollte? ãWenn ich nicht die Male der NŠgel an seinen HŠnden sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Wundmale der NŠgel und meine Hand nicht in seine Seitenwunde lege, glaube ich nicht.Ò Der wieder im Abendmahlssaal erschienene Herr aber sagte zu Thomas: ãStreckÔ deinen Finger aus – hier sind mein HŠnde! StreckÔ deine Hand aus und leg sie in meine Seitenwunde, und sei nicht unglŠubig, sondern glŠubig!Ò Da zwang es den Apostel Thomas in die Knie zum kŸrzesten, aber inhaltsreichsten Glaubensbekenntnis: ãMein Herr und mein Gott!Ò

Der kniende, vor dem Herrn und seiner staunenswerten Grš§e demŸtig in die Knie gesunkene, seiner SŸndhaftigkeit bewusste Apostel Petrus und der wieder glŠubig gewordene, an der Tatsache der Auferstehung Jesu nicht mehr zweifelnde, in die Knie gesunkene Apostel Thomas mit seinem Sto§gebet ãMein Herr und mein GottÒ, sie sagen uns eindringlich, was das Knien fŸr einen Sinn hat: Es ist Ausdruck der eigenen Armseligkeit, SŸndhaftigkeit und Kleinheit einerseits und Ausdruck des Glaubens an die gšttliche Grš§e des auferstandenen Gottmenschen Jesus Christus andererseits.

Dazu gehšrt hier noch an das Wort eines anderen Apostels nŠmlich des Apostels Paulus erinnert, der in seinem Philipperbrief 2,6-11 daran erinnert, dass einmal im Namen Jesu jedes Knie sich beugen wird: Es geht hier eigentlich gar nicht um ein Pauluswort, sondern um einen vom Všlkerapostel Paulus in seinem Philipperbrief aufgezeichneten gro§artigen vorpaulinischen Christushymnus, in welchem so ergreifend gesagt wird, dass der Sohn Gottes sich selbst erniedrigt und entŠu§ert  hat und in tiefster Demut gehorsam geworden ist bis in den Tod, ja bis in den Tod am Kreuze; ãdarum hat Gott (Vater) Ihn erhšht und Ihm einen Namen gegeben, der Ÿber alle Namen ist, auf dass im Namen Jesu jedes Knie sich beuge im Himmel, auf Erden und in der Unterwelt und jede Zunge zur Ehre Gottes des Vaters bekenne: Jesus Christus ist der Kyrios, der Herr!Ò

Wie sieht es heute mit dem Knien aus? Von den unglŠubigen Menschen rede ich hier nicht: FŸr sie ist das Knien eine unwŸrdige, den Menschen entehrende Haltung. Wenn heute Touristen scharenweise in unsere katholischen Kirchen hineinkommen, womšglich schwatzend oder gar am Eisbecher lutschend, wie man es bei Besuchern unseres Domes beobachten konnte, da braucht man sich nicht wundern, dass ihnen eine Kniebeuge unbekannt ist. Dass auch katholische Christen, die doch um unseren Glauben und seine tiefen Geheimnisse Bescheid wissen mŸssten auf eine Kniebeuge verzichten oder wenigstens aus Gedankenlosigkeit darauf vergessen, das ist leider vielsagendes Zeichen fŸr den heutigen Glaubensschwund bei vielen unserer GlaubensbrŸder und Glaubensschwestern.

Heute haben sich auch schon viele der noch praktizierenden GlaubensbrŸder und Glaubensschwestern daran gewšhnt, sich nicht einmal mehr bei der heiligen Wandlung oder beim feierlichen eucharistischen Segen oder beim Kommunionempfang niederzuknien. Vor wenigen Jahrzehnten war das Knien bei den heiligsten Teilen der Messe, beim Kommunionempfang und beim Priestersegen vorgeschrieben. Nach dem Konzil rŠumte man aus unseren Kirchen immer mehr die KommunionbŠnke und die KirchenbŠnke mit den Knieschemeln hinaus: Warum wohl? Die Antwort auf diese Frage wird uns von den Progressisten und Modernisten, wenn sie ehrlich sind, so beantwortet: ãDas Knien ist nicht mehr modern!Ò

Knien ist – so sagt man – fŸr den Menschen des 20. Jahrhunderts eine unzumutbare Gebetshaltung geworden. Knien ist- so behauptet man Ÿberdies – eine hšchst unbiblische und eine hšchst unliturgische Gebetshaltung. Stimmt das?

1. Frage: Ist das Knien wirklich eine unbiblische Gebetshaltung?

Das gerade Gegenteil lŠsst sich sowohl aus dem AT als auch aus dem NT nachweisen, wie die folgenden paar Beispiele, die noch durch andere ergŠnzt werden kšnnten, zur GenŸge beweisen:

1)   Im 1. Buch der Chronik 29,20 forderte Kšnig David die versammelte liturgische Gemeinde zum Gebet auf mit den Worten: ãPreiset Jahwe, euren Gott!Ò Darauf hei§t es: ãDa pries die ganze Versammlung Jahwe, den Gott der VŠter, sie warf sich auf die Knie nieder und huldigte so Gott.Ò

2)   Von Kšnig Salomon wird im 1. Buch der Kšnige 8,54 berichtet, dass er das gro§e Weihegebet fŸr die feierliche Einweihung des neu erbauten herrlichen Tempels kniend verrichtet hat: ãAls Salomon das Weihegebet ganz zu Ende gesprochen hatte, erhob er sich von dem Platz vor dem Altare Jahwes, wo er, die HŠnde zum Himmel ausgebreitet, gekniet hatte. Dann trat er an das Volk heran und segnete die ganze (vor ihm kniende) Gemeinde Israels.Ò

3)   Beim Propheten Jesaia 45,23 spricht Gott: ãIch habe bei mir geschworen, von meinem Mund geht Wahrheit aus, ein unwiderrufliches Wort: Vor mir wird sich jedes Knie beugen und jede Zunge wird bei mir schwšren und sagen: Nur in Jahwe ist Heil und Kraft!Ò

4)   Im gro§en Invitatoriums-Psalm  95,6, mit dem auch heute noch das Kirchliche Stundengebet eingeleitet wird, fordert der Psalmist alle Menschen auf: ãKommet, lasst uns niederfallen, uns vor Ihm verneigen; lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserem Schšpfer!Ò Diese Aufforderung im Invitatoriums-Psalm 95,6 hat man frŸher in der Kirche ganz ernst genommen. So berichtet der gro§e Liturgiker Prof. J.A. Jungmann SJ in seinem Werk Ÿber ãDer Gottesdienst in der KircheÒ S. 52: ãWenn die Šgyptischen Mšnche Psalmen beteten, war es Brauch, dass sich am Ende jedes Psalms alle auf die Knie warfen und in tiefem Schweigen kniend eine Weile zu Gott beteten; dann standen sie wieder auf und hšrten mit ausgebreiteten Armen das Gebet (die Oration), die der Priester vorbetete, an. Ein Šhnlicher brauch bestand auch bei den Mšnchen des hl. Kolumban (+ 615): Sie beteten nach jedem Psalm dreimal kniend das ãO Gott, komm mir zu Hilfe ...Ò, bevor dann das Gebet (die Oration) des Priesters folgte. Noch in spŠteren Jahrhunderten war in Irland die Kniebeuge als Beigabe zum Gebet so wichtig, dass es beim Beten des Psalters zur Regel wurde, jeden der 50 Psalmen mit einer Kniebeuge zu verbinden.

Der evangelische Kirchenhistoriker W. Delius schreibt in seiner ãGeschichte der irischen KircheÒ (S. 63), dass von manchen irischen Heiligen berichtet wird, die 300 Kniebeugen bei Tag und 300 bei Nacht machten. Der gro§e Glaubensbote Irlands, der hl. Patrik, soll diese Form des Gebetes eingefŸhrt haben. Von einem Eremiten des irischen Klosters Clonard wird erzŠhlt, dass er sogar 700 Kniebeugen am Tag gemacht hat. Man sollte Ÿber diese Art von Fršmmigkeit nicht lachen und spotten, denn wie viele moderne Menschen unterziehen sich heute genauso vielen gymnastischen †bungen und Bewegungen und Verdrehungen ihres Kšrpers tagtŠglich zur Morgengymnastik: Damals wusste man noch, dass man mit Seele UND Leib Gott verherrlichen soll entsprechend der Aufforderung im Psalm 95: ãKommt, lasst uns niederfallen, uns vor Gott verneigen; lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserem Schšpfer!Ò

Kehren wir noch einmal zurŸck zur Frage, ob das Knien wirklich eine unbiblische Gebetshaltung sei: zur Antwort nochmals ein Beispiel aus dem AT. Im Buch Daniel 6,11 wird von diesem Propheten in der babylonischen Gefangenschaft wšrtlich berichtet: ãIn seinem Obergemach šffnete er die Fenster nach Jerusalem hin: Dort kniete er dann dreimal am Tag nieder und richtete sein Gebet und seinen Lobpreis an seinen Gott, so wie er es von daheim her gewohnt war.Ò

Vom Propheten Esra wird im gleichnamigen alttestamentlichen Buch Esra 9,5 folgendes gemeldet: ãZur Zeit des Abendopfers erhob ich mich aus meiner Bu§Ÿbung ... Dann warf ich mich auf die Knie, breitete die HŠnde aus und betete zum Herrn, meinem Gott: ãMein Gott, ich schŠme mich und wage nicht, die Augen zu dir, mein Gott zu erheben. Denn unsere Vergehen sind uns Ÿber den Kopf gewachsen, unsere Schuld reicht bis zum Himmel hinauf. Seit den Tagen unserer VŠter bis heute sind wir in gro§er Schuld ...Ò

An die im AT bezeugte Weisung beim Gebet, soll es vor Gott Erhšrung finden, nicht stolz vor Gott zu stehen, sondern klein zu werden und zu knien, haben sich auch im NT die glŠubigen Menschen gehalten und unser Herr Jesus Christus gab uns auch darin das beste Beispiel: Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass der menschgewordene Sohn Gottes die nŠchtlichen Gebetsstunden der Zwiesprache mit dem himmlischen Vater auf den Bergeshšhen kniend verbracht hat.

Einmal aber wird uns das Knien des Herrn beim Gebet in der Hl. Schrift ausdrŸcklich berichtet: Jesus am …lberg, in der Šu§ersten seelischen BedrŠngnis vor seinem schmerzvollen, bitteren SŸhne- und Erlšserleiden. Bei Lukas 22,41 wird nachdrŸcklich betont, dass Jesus sich auf die Knie niederwarf und so zum Vater im Himmel sein ergreifendes Gebet der Ergebung in den gšttlichen Willen richtete.

Vom ersten MŠrtyrer der Urkirche, vom Diakon Stephanus, wird ebenfalls ausdrŸcklich betont, dass er in der Šu§ersten Not sein ergreifendes Sterbegebet kniend verrichtet habe. In der Apostelgeschichte 7,60 hei§t es: ãSie steinigten Stephanus. Er aber betete und rief: ãHerr Jesus, nimm meinen Geist auf!Ò  Dann sank er in die Knie und schrie laut: ãHerr, rechne ihnen diese SŸnde nicht an!Ò Nach diesen Worten starb er.

Die gleiche Gebetshaltung des Kniens nahm auch der Apostel Petrus ein. Wir haben schon von seinem Kniefall nach dem wunderbaren Fischfang gehšrt, als ihm die Grš§e Jesu und die eigene Kleinheit besonders klar zum Bewusstsein gekommen waren. €hnlich war die Stimmung des hl. Petrus bei einer Totenerweckung: ErschŸttert vom Tod der tapferen, selbstlosen Caritashelferin Tabita in der Stadt Lydda kniete sich Petrus vor ihrem Leichnam nieder und fing instŠndig zu beten an. Und sein demŸtiges Gebet auf den Knien wurde wunderbar erhšrt. Denn nach diesem Gebet des hl. Petrus auf den Knien kam Ÿber die Lippen dieses Apostels der kŸhne, an den Leichnam der genannten Frau gerichtete Ausruf: ãTabita, steh auf!Ò Diese šffnete ihre Augen, schaute Petrus an und richtete sich auf. (Apg 9,36-40).

Wie Petrus, so wusste auch Paulus um die Gebetshaltung des Kniens in Wort und Tat. In seinem Epheserbrief 3,14 schreibt er : ãIch beuge meine Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird, und bitte, er mšge euch auf Grund des Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, dass ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und StŠrke zunehmt.Ò

Es war nach der ergreifenden Abschiedsrede des hl. Paulus in Milet in Kleinasien, wo er die Hirten der Kirche noch zur Wachsamkeit ermahnt hatte, weil nach seinem Weggang Wšlfe in die Herde Christi einbrechen und aus der Mitte der Kirche MŠnner mit verkehrten Reden die GlŠubigen verwirren werden. Da zwang es den Všlkerapostel Paulus im bangen Gedanken an die Zukunft der von au§en und von ihnen her bedrohten Kirche in die Knie. So hei§t es in der Apostelgeschichte 20,36 f: ãNach diesen Worten (seiner Abschiedsrede) kniete er nieder und betete mit ihnen allen.Ò €hnlich machte es Paulus dann am Meeresstrand bei Tyrus auf der Reise nach Jerusalem, wo dann seine Gefangennahme erfolgte. Paulus und ãwir alle knieten mit ihm am Strand nieder und betetenÒ, schreibt der hl. Lukas in der Apostelgeschichte 21,5.

Assen wir zusammen und merken wir es uns: Dort, wo es bei unserem Herrn Jesus Christus am …lberg, dann bei Stephanus vor seinem Martyrium, bei Petrus vor der Auferweckung der toten Tabita; bei Paulus vor seinem Weggang von seinen kleinasiatischen Gemeinden in die verfolgungsschwangere Zukunft um ein ganz besonderes Gebetsanliegen ging, da war ihnen das Knien beim Gebet ein selbstverstŠndliches BedŸrfnis. Ist das nicht vielsagend? Das Knien, das Kleinwerden vor Gott, dem unendlich Gro§en, der allein helfen kann, wenn der Mensch in seiner Kleinheit und Hilflosigkeit sich seiner Begrenztheit bewusst geworden ist, dieses Knien wird hier zum Ausdruck jener zwei Eigenschaften, die das Gebet unbedingt haben muss, wenn es von Gott erhšrt werden soll: Das Gebet muss demŸtig und vertrauensvoll sein. Durch das Knien beim Gebet sagen wir Gott: Ich bin aus mir ein Nichts; ich kann aus eigener Kraft nichts; ich wei§ um meine Kleinheit, Armseligkeit und Begrenztheit. Du aber, o Gott, bist gro§, unendlich gro§ und kannst helfen und willst, wie mir mein Vertrauen sagt, sicher helfen dem, der auf dich grenzenlos vertraut.

Warum man heute vielfach nicht mehr knien will? Ist es nicht doch weithin nur ein Zeichen des Stolzes, der †berheblichkeit, der autarken Selbstherrlichkeit? Was aber sagt uns da die Hl. Schrift in dreimaliger Wiederholung im Buch der SprŸche 3,34, im Jakobusbrief 4,6 und im 1. Petrusbrief 5,5? ãDem Stolzen widersteht Gott, nur dem DemŸtigen gibt er seine Gnade!Ò

Der bekannte bedeutende Bibelwissenschaftler und Laientheologe Heinrich Schlier hat noch in seiner protestantischen Zeit, also vor seiner Konversion zum Katholizismus, im Theologischen Wšrterbuch zum NT I//38 geschrieben: ãDie GebŠrde des Kniefalls und des Kniens ist Zeichen der Selbsterniedrigung, der Unterwerfung, der Demut und der Anbetung im Gebet des Einzelnen oder der Gemeinde. In der christlichen Kirche war das Knien sowohl beim Gebet des Einzelnen wie im Gottesdienst von Anfang an Ÿblich. Nach dem Ps.-Justinus erinnert uns das Niederknien Ÿberdies immer auch an unseren SŸndenfall: wir sind vor Gott arme SŸnder, die nicht wagen, vor Ihm gro§ dazustehen.

 

Mit dem Gesagten ist hoffentlich genŸgend aufgezeigt, dass das Knien beim Gebet keine unbiblische, sondern sogar eine sehr biblische Haltung ist. Und wenn eingangs gesagt worden ist, dass die seligste Jungfrau bei ihren Erscheinungen in Lourdes und Fatima immer stehend mit schšn gefalteten HŠnden von den Seherkindern gesehen wurde, so darf jetzt zuletzt noch betont werden, dass Maria sicher dann, wenn sie ihrem Herrn und Gott ein besonders wichtiges Gebetsanliegen vortrug, dies sicher - so wie Jesus Christus und seine Apostel – kniend getan haben wird. Bezeichnend ist, dass Maria bei der Szene der VerkŸndigung fast immer von den christlichen KŸnstlern kniend dargestellt wird. Warum wohl? Sie wurde im demŸtigen und instŠndigen Gebet um das Kommen des Messias vor Gott klein, bevor sie dann ganz gro§ wurde, als der Engel ihr sagte, dass sie zur Mutter des Messias von Gott erkoren worden sei.

 

Nun noch zur zweiten Frage und ihrer Beantwortung:

2. Frage: Ist das Knien eine unliturgische Haltung?

Hier geht es nun speziell um das Knien vor Christus in der Hl. Eucharistie, um das Knien besonders bei der Hl. Wandlung am Hšhepunkt des Messopfers und um das Knien, soweit es sich rŠumlich machen lŠsst auch beim Kommunionempfang.

Man tut das Knien heute als unliturgisch ab und stellt das Stehen und Sitzen als die allein richtigen Liturgischen Haltungen einseitig heraus, oft zum €rger der wahrhaft Frommen, denen das Stehen und Sitzen vor allem bei den heiligsten Teilen der Messfeier, bei der Hl. Wandlung und bei der Hl. Kommunion, als Ÿberheblich anma§end und ehrfurchtslos vorkommt.

Zugegeben, wo man die Messe zu einem blo§en gemeinschaftlichen Mahl degradiert, da mag das Sitzen um den gemeinsamen Tisch herum sinnvoll sein; wer aber am Opfercharakter der Hl. Messe und an der wahren GegenwŠrtigsetzung des erschŸtternden SŸhneopfers Christi am Kreuz festhŠlt, dem kommt das Herumsitzen um den Tisch, der etwa gar identisch ist mit einem Wirtshaustisch, an dem kurz zuvor noch gezecht worden ist, ehrfurchtslos und fast sakrilegisch vor.

Zugegeben sei auch noch, dass das Stehen ebenfalls eine sinnvolle liturgische Haltung sein kann – wir stehen beim Evangelium und beim Credo, um zu zeigen, dass wir dafŸr einstehen, darŸber hinaus kann das Stehen, vor allem in der šsterlichen Zeit, an die Auferstehung des Herrn und unsere eigene kommende Auferstehung erinnern.

Moderne Theologen behaupten, das Knien bei der Messfeier, vor allem wŠhrend der Hl. Wandlung und beim Kommunionempfang, sei relativ spŠt aufgekommen. TatsŠchlich hat der bedeutende šsterreichische Liturgiker P.J.A. Jungmann SJ nachgewiesen, es sei wahrscheinlich allgemein verpflichtend erst im 12., 13. Jahrhundert Pflicht geworden und zwar als Reaktion gegen die damaligen eucharistischen Irrlehren eines gewissen Berengar von Tours und seines Anhangs. Aber gerade weil diese Irrlehre von damals die die Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi und die daraus folgende RealprŠsenz Christi in der  Hl. Eucharistie leugnet, heute wieder ganz stark um sich gegriffen hat, wŠre es sehr angebracht, gerade deshalb an der Kniebeuge und am Knien, wie damals, als diese Haltung aufgekommen ist, festzuhalten. Das Knien vor dem Allerheiligsten ist der gerade heute wieder sehr notwendige und Ÿberaus aktuelle Ausdruck des wahren, unverfŠlschten Glaubens an die Wesensverwandlung und an die wahre, wirkliche reale Gegenwart Christi in der Hl. Eucharistie und ist der sinnenfŠllige Ausdruck der schuldigen Anbetung Christi im Hl. Sakrament des Altares.

FŸr recht glŠubige Katholiken geht es ja in der Hl. Eucharistie nicht um irgendein Ding, nicht um irgendeine Sache, sondern um die zweite gšttliche Person, die aus Maria der Jungfrau die Menschennatur angenommen hat und die unter den Gestalten von Brot und Wein nach erfolgter Wesensverwandlung mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit wahrhaft und wirklich und ganz und zwar auch im kleinsten Teilchen der Brotsgestalt gegenwŠrtig ist, wie dies das Konzil von Trient auf seiner 13. Sitzung im Jahre 1551 feierlich als Dogma definiert hat im Kanon 3 und 4.

Nein, es geht bei der hl. Eucharistie wirklich nicht um eine Sache, um ein Ding, das man wie in einem Stehbuffet in Empfang nimmt und dann etwa, wie es bei SchŸlerkommunionen und bei anderen Gelegenheiten passiert ist, wie einen Jux-Gegenstand den anderen zeigt, nein, es geht hier um Ihn, den Gottmenschen, vor dem einmal sicher jedes Knie sich beugen muss und beugen wird und der sich nicht ungestraft verspotten und verhšhnen lŠsst.

 

Ich komme zum Schluss meiner †berlegungen Ÿber das Knien: Dort, wo die Kniebeuge und das Knien Ausdruck des wahren Glaubens und Zeichen der Demut vor der Grš§e Gottes und des menschgewordenen gekreuzigten und auferstandenen Gottessohnes ist, der wahrhaft und wirklich im Heiligsten Sakrament gegenwŠrtig ist, da ist das Knien weder unbiblisch noch unliturgisch, sondern hšchst sinnvoll und verdienstvoll. Und darum halten wir daran fest und nicht etwa nur aus konservativer Sturheit. Wir wollen es uns selber und den anderen,  die durch modernistisches TheologengeschwŠtz und –geschreibe im Glauben verunsichert worden sind, zurufen: Flectamus genua! Beuget die Knie! Beugt sie vor Gott und seinem Gesalbten, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus! Und beuget eure Knie nicht vor dem Gštzen Baal, d.h. vor dem Sex und dem goldenen Kalb Mammon: Und wenn vielleicht die Zahl derer, die nicht vor Baal, sondern nur vor Gott und unserem Heiland im Hl. Sakrament ihre Knie beugen, immer noch kleiner und kleiner wird, wir halten unbedingt daran fest und erinnern uns an das, was der  hl. Paulus den bedrŠngten Christen in Rom in seinem Ršmerbrief 11,2-4 geschrieben hat:

ãWisst ihr denn nicht, was die Hl. Schrift in der Geschichte des Elias berichtet, wo dieser Prophet bei Gott gegen Israel Klage fŸhrt? Da klagt Elias so: ãHerr, diene Propheten haben sie getštet und deine AltŠre haben sie  zerstšrt, ich allein bin Ÿbrig geblieben –auch mir trachten sie nach dem Leben. Aber wie lautete damals fŸr Elias der gšttliche Bescheid? 2Ich habe mir noch 7000 MŠnner Ÿbrigbehalten, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben .... sondern nur vor mir!Ò

Ja, nur vor IHM beugen wir unsere Knie, aber vor IHM gern in starkem Glauben und in tiefer, demŸtiger Anbetung. Amen